Rittiner & Gomez in Bern
DER BUND, 27.03.07
Setzkastenkunst
Galerie Artdirekt Das Leben hängt als Setzkasten an der Wand. Als zerstückelter Setzkasten. Der Steinbildhauer und Betonplastiker Nick Röllin (*1966) schaut mitten hinein in unsere Wohnkisten, Arbeitszellen, Einsamkeitsklausen. In kleinen Rahmen, mehrgeschossig durchbrochenen Stelen, oben offenen Guckkästen oder als kleine Säulenheilige setzt er seine Helden, allesamt mustergültige Zeitgenossen, in Szene. Die Versatzstücke, die wir zum Leben zusammensetzen, giesst Röllin in stimmige, boshafte und witzige Comics-Kunstwerke aus Beton. Seit Jahren arbeitet und experimentiert er mit dem grauen Werkstoff. Das widerständig glanzlose Gemisch verarbeitet er zu plastischen Episoden, die durch formale Präzision und inhaltliche Erzählkraft überzeugen. Auf grossem Fuss und hinter mächtigen Wampen latschen sie durchs Leben, diese Betonkerle. H. P. Muster zum Beispiel, der in China investiert und schnell eine Million verdient, sich solidarisch zeigt, über den Klimawandel referiert, sich zu Hause fühlt und das Glück umarmt. Andere lagern ihre ordentlich angenagelten Leichen im Keller, machen Liebe, bedrohen, arbeiten und vereinsamen im ausgezeichneten «Haus der Lüge».
Das formal wie inhaltlich Episodenhafte von Röllins Plastiken kultiviert Rittiner & Gomez in seinen Gemälden. Seine ebenfalls der Comics-Kunst nahestehenden Arbeiten erneuern und erweitern die Ästhetik des Comicstrips. Die Bildräume sind streng segmentiert. Ausgehend von einem Hauptbild erzählt der Künstler Geschichten fort, verbindet sie in kleinen Bild-im-Bild-Sequenzen mit anderen Schauplätzen im Vor- und Nachher. (sap)
Die Ausstellung an der Herrengasse 4 in Bern dauert bis 14. 4.
(aus der CH-fraktion: hediger wird dort am samstag (16h) lesen und einen preis erhalten. ich werde auch da sein. perkampus vielleicht. kommet!) - dodel ist entschuldigt und besteigt einen berg.
Setzkastenkunst
Galerie Artdirekt Das Leben hängt als Setzkasten an der Wand. Als zerstückelter Setzkasten. Der Steinbildhauer und Betonplastiker Nick Röllin (*1966) schaut mitten hinein in unsere Wohnkisten, Arbeitszellen, Einsamkeitsklausen. In kleinen Rahmen, mehrgeschossig durchbrochenen Stelen, oben offenen Guckkästen oder als kleine Säulenheilige setzt er seine Helden, allesamt mustergültige Zeitgenossen, in Szene. Die Versatzstücke, die wir zum Leben zusammensetzen, giesst Röllin in stimmige, boshafte und witzige Comics-Kunstwerke aus Beton. Seit Jahren arbeitet und experimentiert er mit dem grauen Werkstoff. Das widerständig glanzlose Gemisch verarbeitet er zu plastischen Episoden, die durch formale Präzision und inhaltliche Erzählkraft überzeugen. Auf grossem Fuss und hinter mächtigen Wampen latschen sie durchs Leben, diese Betonkerle. H. P. Muster zum Beispiel, der in China investiert und schnell eine Million verdient, sich solidarisch zeigt, über den Klimawandel referiert, sich zu Hause fühlt und das Glück umarmt. Andere lagern ihre ordentlich angenagelten Leichen im Keller, machen Liebe, bedrohen, arbeiten und vereinsamen im ausgezeichneten «Haus der Lüge».
Das formal wie inhaltlich Episodenhafte von Röllins Plastiken kultiviert Rittiner & Gomez in seinen Gemälden. Seine ebenfalls der Comics-Kunst nahestehenden Arbeiten erneuern und erweitern die Ästhetik des Comicstrips. Die Bildräume sind streng segmentiert. Ausgehend von einem Hauptbild erzählt der Künstler Geschichten fort, verbindet sie in kleinen Bild-im-Bild-Sequenzen mit anderen Schauplätzen im Vor- und Nachher. (sap)
Die Ausstellung an der Herrengasse 4 in Bern dauert bis 14. 4.
(aus der CH-fraktion: hediger wird dort am samstag (16h) lesen und einen preis erhalten. ich werde auch da sein. perkampus vielleicht. kommet!) - dodel ist entschuldigt und besteigt einen berg.
hab - 27. Mrz, 08:28 - veranstaltungen




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